10 Sep. Flachdächer intelligent überwachen: SikaRoof Control System (RCS)
Sika zählt weltweit zu den führenden Unternehmen der Spezialitätenchemie und entwickelt seit Jahrzehnten innovative Lösungen für die Bau- und Industriebranche. Mit Tochtergesellschaften in 103 Ländern, über 400 Produktionsstandorten und rund 33.000 Mitarbeitenden ist das Unternehmen weltweit präsent. Ein Schwerpunkt liegt auf Systemlösungen, die dazu beitragen, Bauwerke dauerhaft zu schützen, ihre Lebensdauer zu verlängern und Werte nachhaltig zu sichern.
Auch bei Flachdächern spielt die langfristige Funktionssicherheit eine entscheidende Rolle. Mit den SikaRoof Control Systemen bietet Sika Lösungen, mit denen sich Undichtigkeiten gezielt lokalisieren und der Zustand des Dachaufbaus kontinuierlich überwachen lässt. Neu hinzugekommen ist SikaRoof RCS aktiv: Das Monitoringsystem erkennt negative Veränderungen im Dachschichtenpaket frühzeitig und übermittelt die Daten kontinuierlich über ein Monitoringportal. Über die Funktionsweise, die Vorteile und die Einsatzmöglichkeiten spricht Thomas Trebing von Sika im folgenden Interview.
Herr Trebing, warum gewinnt die kontinuierliche Überwachung von Flachdächern zunehmend an Bedeutung?
Thomas Trebing: Flachdächer werden heute deutlich intensiver genutzt als früher. Photovoltaikanlagen, technische Aufbauten oder regelmäßige Wartungsarbeiten führen dazu, dass sich Personen und fremde Gewerke auf dem Dach bewegen und zusätzliche Belastungen entstehen. Gleichzeitig nehmen extreme Wetterereignisse zu. Auch bei einer hochwertigen und fachgerecht ausgeführten Abdichtung lässt sich deshalb nicht vollständig ausschließen, dass im Laufe der Nutzung Schäden entstehen. Entscheidend ist dann, eine Veränderung möglichst frühzeitig zu erkennen, bevor durch die Feuchtigkeit im Dachaufbau Schäden und hohe Folgekosten entstehen.
Das SikaRoof Control System gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Was ist jetzt neu?
Thomas Trebing: Mit dem bisherigen SikaRoof Control System zur Leckageortung können wir Undichtigkeiten sehr gezielt lokalisieren. Die Messung wird allerdings auf Veranlassung durchgeführt – beispielsweise, wenn der Verdacht auf eine Leckage besteht. Mit SikaRoof RCS aktiv ergänzen wir diese bewährte Technologie jetzt um ein Monitoringsystem. Das System überwacht wichtige Parameter im Dachaufbau kontinuierlich und meldet negative Veränderungen selbstständig. Aus einer punktuellen Kontrolle wird damit eine dauerhafte Überwachung.
Wie funktioniert dieses Monitoring konkret?
Thomas Trebing: An gut zugänglichen Stellen werden Kontrollrohre mit Sensoren in den Dachaufbau integriert. Der SikaRoof Sensor aktiv R überwacht die Feuchtigkeit auf der Dampfsperre, ermittelt die Umgebungstemperatur und misst die relative Luftfeuchte innerhalb des Dachaufbaus. Diese Werte werden zusätzlich mit Daten der nächstgelegenen Wetterstation abgeglichen. Erkennt das System eine auffällige Veränderung, wird automatisch eine Warnmeldung per E-Mail versendet. Der aktuelle Zustand lässt sich außerdem jederzeit über ein Monitoring-Portal abrufen.
Wie viele Sensoren werden für eine Dachfläche benötigt?
Thomas Trebing: Ein Sensor deckt ungefähr 300 Quadratmeter Dachfläche ab. Wie viele Sensoren tatsächlich benötigt werden, hängt natürlich von der Größe und Geometrie des jeweiligen Daches ab. Ein Vorteil ist, dass die Sensoren über die Kontrollrohre leicht zugänglich bleiben. Das vereinfacht sowohl die Kontrolle als auch die Wartung.
Welche Vorteile bietet das System insbesondere für Gebäudebetreiber?
Thomas Trebing: Der wesentliche Vorteil ist die frühzeitige Information. Feuchtigkeit im Dachaufbau bleibt häufig lange unbemerkt und wird erst sichtbar, wenn bereits größere Schäden entstanden sind. Durch das kontinuierliche Monitoring können wir Veränderungen wesentlich früher erkennen. Damit lassen sich Maßnahmen gezielter planen und mögliche Folgeschäden reduzieren. Für Betreiber bedeutet das mehr Sicherheit und ein deutlich verbessertes Risikomanagement für die Dachfläche.
Mit SikaRoof RCS aktiv+ gehen Sie noch einen Schritt weiter. Was unterscheidet dieses System vom reinen Monitoring?
Thomas Trebing: SikaRoof RCS aktiv zeigt zunächst, dass sich im überwachten Dachbereich relevante Parameter verändert haben. Mit SikaRoof RCS aktiv+ kombinieren wir dieses Monitoring mit unserem bewährten System zur Leckageortung. Dazu wird zusätzlich das RCS Glasvlies auf der Wärmedämmung verlegt. Über die Kontrollrohre kann anschließend eine Messung durchgeführt und die mögliche Fehlerquelle gezielt lokalisiert werden. Vereinfacht gesagt: Das System meldet nicht nur, dass etwas passiert ist, sondern ermöglicht anschließend auch eine sehr genaue Suche nach der Ursache.
Welchen Vorteil hat die genaue Ortung für die Sanierung?
Thomas Trebing: Je genauer wir eine Undichtigkeit eingrenzen können, desto gezielter kann der Dachdecker reagieren. Ohne Ortung müssen im ungünstigsten Fall größere Bereiche untersucht oder geöffnet werden, um die Schadstelle zu finden. Wenn wir die Fehlerquelle dagegen präzise lokalisieren können, reduzieren sich der Aufwand und die Beeinträchtigung der Dachfläche erheblich. Das spart Zeit und Kosten und hilft gleichzeitig dabei, die vorhandene Bausubstanz zu schützen.
Ist das System nur für Neubauten interessant oder lässt es sich auch bei bestehenden Flachdächern einsetzen?
Thomas Trebing: Eine Nachrüstung ist ebenfalls möglich. Das Monitoringsystem kann auch in bestehende Dachflächen integriert werden, die mit Sikaplan- oder Sarnafil-Dachbahnen abgedichtet sind. Die Komponenten sind aufeinander abgestimmt und die Kontrollrohre wärmegedämmt ausgeführt. Dadurch können wir das Monitoring auch für Bestandsdächer anbieten – ein wichtiger Aspekt, weil gerade dort häufig ein großes Interesse an einer besseren Zustandskontrolle besteht.
Entstehen durch die kontinuierliche Datenübertragung laufende Kosten für den Gebäudebetreiber?
Thomas Trebing: Das Gesamtset aus Sensor und Einbauset beinhaltet bereits zehn Jahre Datenübertragung. Für den Endnutzer entstehen in diesem Zeitraum also keine zusätzlichen laufenden Kosten für die Datenübertragung. Das macht die Lösung transparent und gut kalkulierbar.
Welche Vorteile hat es, dass Monitoring, Abdichtung und Zubehör aus einem System kommen?
Thomas Trebing: Die Komponenten sind speziell auf unsere Abdichtungssysteme und das entsprechende Zubehör abgestimmt. Das gibt Planern und Verarbeitern Sicherheit bei der Auswahl und Integration der einzelnen Komponenten. Gleichzeitig haben sie einen Ansprechpartner für das gesamte System. Gerade bei technisch anspruchsvolleren Flachdächern ist das ein wichtiger Vorteil.
Zum Abschluss: Was möchten Sie Planern, Verarbeitern und Gebäudebetreibern beim Thema Dachmonitoring mitgeben?
Thomas Trebing: Ein Flachdach ist ein wesentlicher Bestandteil des Gebäudeschutzes und sollte entsprechend betrachtet werden. Moderne Monitoringlösungen ermöglichen es heute, nicht erst dann zu reagieren, wenn ein Schaden bereits sichtbar geworden ist. Mit den SikaRoof Control Systemen können wir Veränderungen frühzeitig erkennen und bei Bedarf Leckagen gezielt lokalisieren. Das schafft zusätzliche Sicherheit über die gesamte Nutzungsdauer des Daches und hilft dabei, Werte langfristig zu erhalten.
Ansprechpartner für Architekten:
Thomas Trebing
Regionalleiter Technik und Verkauf
Sika Deutschland CH AG & Co KG
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